Ein vollkommenes Ersatzleben…

cleaning robot scolds wall eEs gibt in dieser Welt kein vollkommen ordentliches Leben. Je ordentlich man seine Umwelt reguliert sowieso kontrolliert, desto unlebendig und eben unmenschlich wird sein Existenz. Sei es der Fall, dass wirklich “alles in Ordnung” ist, denn lebt man eher wie ein Betreuer für die Regelmäßigkeit als ein freier Mensch, der sich jeden Tag zusammen mit, und genau nicht trotzdem, seiner Umwelt entwickelt. Die unordentliche Gegenstände des heimischen Lebens sind Hinweise auf unsere Werte und Prioritäten. Wem es die Ersteren fehlt, dem es a fortiori den Letzeren fehlt.

Wenn zum Beispiel der Boden immer wüstenleer und im tadellosen Zustand zu finden ist, weist das darauf, dass man die Freiheit nicht hat, um eigenartige Spure seines Existenz zufällig von anderen beobachtet zu werden. Er will nicht durch die kleine Hinweise seiner Prioritäten gekannt sein, sondern will er bloß durch einen verbalen und fest beaufsichtigen Einsatz deren verstanden sein. Leere Wände, Tische und  Bücherregale sind perfekt ordentlich, aber deswegen sind sie eben unauthentisch und stumme Grabsteine der menschlichen schöpferischen Begabung, die stetig neue erkenntnismäßigen Verbindungen zwischen der Umwelt und dem Selbst entdecken.

mostly-martha-470-75Im Film Bella Marta wird es dargestellt, dass Marthas gründlicher wenn nicht lediger Makel ist, dass sie eine sauberhafte und professionelle Küche lieber als einen kreativen und sympathischen Arbeitsplatz führt. Das erste Mal, in dem wir Martha beim Essen sehen, hat mit ihrer Vorbereitung eines Laches zu tun. Martha betont darauf, dass man die Qualität eines Koches daran erkennt, wie gut er die einfachsten (bzw. die ordentlichsten) Speise macht. “Es gibt nur den Fisch und die Sauce,” wiederholt die im makellos suaberer Wohnung alleinsitzende Martha zu sich selbst. Nur wenn sie die schmackhafte Unordentlichkeit der chaotischeren Kochkunst Marios akzeptiert, erst kann sie der immer blühende Unordentlichkeit von Opfergang, Liebe, Ehe und Mutterschaft genießen. Im Gegensatz zu Marthas apollonischem Angst, sehen wir durch die dionysiche Kochkunst von Mario, dass eine makellose Küche eigentlich eine missgelunge Leinwand ist. Die Unordentlichkeit der Küche, nachdem Mario sie benutzt hat, steht als ein Denkmal an echt menschliche Kreativität und Solidarität, die immer unkontrollierbare Spure hinter sich sät. Genau weil Kinder (z.B. Marthas Nichte) auf der Spitze von lebensbezogener Entwicklung stehen, deshalb bringen sie mit ihnen eine für unauthentische und unfreie Erwachsenen unerträgliche Unregelmäßrigkeit in jedem Zimmer in dem sie spielen.

Man darf nur “wie ein Kind” in das Reich Gottes (bzw. in vollkommenes Leben) eintreten, was erinnert uns daran, dass nur das vollkommen sauber und ordentliches Zimmer heisst ein Sarg, worin man ewig vor schmutzigen Veränderungen und unvollendenten Ziele geschützt wird.

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About The Codgitator (a cadgertator)

Catholic convert. Quasi-Zorbatic. Freelance interpreter, translator, and web marketer. Former ESL teacher in Taiwan (2003-2012) and former public high school teacher (2012-2014). Married father of three. Multilingual, would-be scholar, and fairly consistent fitness monkey. My research interests include: the interface of religion and science, the history and philosophy of science and technology, ancient and medieval philosophy, and cognitive neuroscience. Please pray for me.
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Be kind, be (relatively) brief, be clear...

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